PM zur Podiumsdiskussion "Massentierhaltung - (k)ein Markt der Zukunft für unsere Bauern?"

Pressemitteilung Nr. 8/2015

Diskussion belebt Volksbegehren

„Massentierhaltung – (k)ein Markt der Zukunft für unsere Bauern?“ - Unter diesem Titel diskutierten in der gut besuchten Alten Feuerwache in Eichwalde am Mittwoch, den 11.11.2015 Inka Thunecke, Mitinitiatorin des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung, Henrik Wendorff, Vizepräsident des Landesbauernverbandes und der Bundestagsabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff. Die Moderation hatte Andreas Oppermann vom RBB-Studio Frankfurt/O. übernommen. Eingeladen hatte der Kreisverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Dahme-Spreewald.

Inka Thunecke schilderte anschaulich anhand des Beispiels der gescheiterten Mastanlage in Gumtow, wie sie zur Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung gekommen war. Friedrich Ostendorf stellte sich als engagierter Biobauer vor und verdeutlichte die Chancen und auch die Herausforderungen für bäuerliches Wirtschaften unter den Bedingungen des Marktes und der vom Handel diktierten niedrigen Preise für Agrarprodukte. Für eine Überraschung gut war der Vertreter des Bauernverbandes: Er ist selber Ökobauer mit 900 ha unter dem Pflug, und so lief an dieser Stelle die Diskussion ins Leere, weil Henrik Wendorff sich als verantwortungsvoller, sauber arbeitender mittelständischer Betriebe positionierte, der „nicht jeden Morgen aufstehe und überlege, wie quäle ich jetzt meine Tiere“. Auch Inka Thunecke machte deutlich, dass man nicht gegen verantwortungsvolle Bauern wie Henrik Wendorff kämpfe und die Initiative sehr offen für großzügige Umstellungszeiten für bäuerliche Betriebe sei.

Eine Nachfrage aus dem Publikum brachte es dann auf den Punkt: Seit Anbeginn habe die Landesregierung Großeinheiten gefördert und wenig für mittelständische Wiedereinrichter getan. Agrarkonzerne ziehe es nach Brandenburg, weil im alten Westen die Regierungen ihnen Grenzen auferlegen. In Brandenburg dagegen fänden sie Freiräume für Tierhaltungsgroßanlagen und spekulativen Flächenaufkauf. Eine bekannte Hähnchenmarke, die Legehennenanlagen in Bestensee und die Schweinemast in Vetschau wurden genannt. Die Marktmacht des Handels und der Weiterverarbeiter auf die Produzenten wurde von allen problematisch gesehen: Diese scheuen sich in die Debatte einzutreten und ihre Verantwortung für eine angemessene Produktion zu tragen. Der bündnisgrünen Forderung nach einer verpflichtenden Kennzeichung wurde lediglich mit dem Hinweis auf die EU-Kompetenz entgegengetreten. Die Harmonie der Diskutanten endete aber an einer Stelle: Warum will sich der Bauernverband nicht von dem wegen tierquälerischer Haltung bekannten Tiermäster Straathof distanzieren? Sogar Gerichte verboten ihm schon die Schweinemast.

Friedrich Ostendorff schloss die Diskussion mit der Einschätzung, dass es nie eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Anlagen mit Größenordnungen von 400.000 Tieren geben werde. Er ist davon überzeugt, dass das aktuelle Volksbegehren gegen Massentierhaltung mit den notwendigen 80.000 Unterschriften erfolgreich abgeschlossen wird und versicherte: „Wir Grünen werden alles dafür tun.“

Lothar Treder-Schmidt,  Andreas Rieger



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